Das „Fearless Girl“ freut sich über die Anwesenheit des Bullen

fearless girl

Foto: State Street Cooperation

In den frühen Morgenstunden des Weltfrauentages am 8. März ließ das amerikanische Unternehmen „State Street Global Advisors“ eine kleine Bronzestatue nahe der New Yorker Börse aufstellen. Das Besondere: Das kleine Mädchen stellt sich breitbeinig, erhobenen Hauptes und mit in die Hüfte gestützten Fäusten dem „Charging Bull“ entgegen. Seither macht das kleine Bronzemädchen, das in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag „Fearless Girl“ läuft, weltweit Schlagzeilen. Auch mich beeindruckt dieses Bild.

Der Charging Bull, die Symbolfigur der Wall Street schlechthin, hat mich bei der Namensfindung für diesen Blog inspiriert. Als ich die unzähligen Aufnahmen bei Instagram aus dem Bowling Green Park in Manhattan sah, habe ich sofort nach einem Bild gesucht, dass ich für diesen Blog nutzen kann. Denn nichts verkörpert das, was ich mit Bulle & Brut beabsichtige besser, als das Fearless Girl, dass sich dem Bullen entgegenstellt und zu verstehen gibt, „Du machst mir keine Angst – ganz im Gegenteil, ich freue mich dass du da bist“. Es hat mich zudem zum Nachdenken angeregt.

Mit dieser geschickten Marketing-Aktion will die Investment Sparte des US-Unternehmens State Street auf den Mangel an weiblichen Führungskräften in amerikanischen Unternehmen aufmerksam machen. Sie wollen mehr Frauen in verantwortungsvollen Positionen sehen, denn, wie zahlreiche Studien belegen, sind Unternehmen, die nicht ausschließlich von Männer geführt werden, deutlich erfolgreicher. Die Investmentfirma will nicht nur mit dieser sehr medienwirksamen Aktion auf ihr Anliegen aufmerksam machen, sie beabsichtigt auch über ihre Mitbestimmung als Anteilseigner, Frauen in die Unternehmensführung zu wählen bzw. reine Männerriegen zu blockieren. Es könnte sein, dass ganz langsam ein Umdenken in der Gesellschaft in Gang kommt.

Leider ist es noch keine Selbstverständlichkeit, dass Frauen Unternehmen führen. Ich glaube das hängt auch damit zusammen, dass relativ wenig Frauen an diesen Unternehmen beteiligt sind. Der klassische Aktionär ist immer noch männlich und er sorgt dafür, dass auch die Unternehmensführung seinem Alt-Herren-Club beitreten kann.

Frauen bleiben aus den verschiedensten Gründen dem Aktienmarkt fern. Ein wesentlicher Faktor ist sicherlich das geringere Einkommen und somit weniger frei verfügbares Kapital zum Investieren. Es braucht jedoch kein Vermögen, um an der Börse sein Geld gewinnbringend anzulegen. Ich selbst habe nie viel Geld zum investieren gehabt und trotzdem einiges daraus gemacht. Die Software meiner Hausbank sagt, dass mein Aktien-Depot in den vergangen 9 Jahren eine „Performance“ von 677,33 Prozent vorweist. Ich habe fast nichts eingezahlt, das Geld aber dennoch ordentlich vermehrt.

Ein weiterer Grund für die Zurückhalten am Aktienmarkt – der Deutschen im Allgemeinen und der Frauen im Besonderen – ist „das Risiko“. Damit wird das Börsengeschehen gerne zum hochspekulativen Glücksspiel deklariert und als gar unseriöse Geldanlage abgestempelt. Das zeugt in der Regel schlichtweg von Unwissenheit.  Vielleicht schaffe ich es mit dem ein oder anderen Beitrag auf diesem Blog der Unwissenheit entgegenzuwirken und die diffuse Angst von manchem zu überwinden. Deswegen möchte ich unter der Rubrik Bullenmarkt in Zukunft Beiträge über Grundlegendes beim Investieren an der Börse schreiben. Solltet ihr hier Anregungen oder Wünsche haben, lasst es mich wissen.

Nachdem ursprünglich der Charging Bull als Pate für den Blog stand, gesellt sich nun auch das Fearless Girl dazu und profitiert von seiner Anwesenheit. Auf das mehr Frauen „fearless“ werden und den „Mut“ haben, ihr Geld zu vermehren und es nicht auf dem Sparbuch versauern zu lassen. Ein überhitzter Bullenmarkt, der unter Einfluss von zu viel Testosteron den Bären wieder auf den Plan ruft, braucht zudem ein besonnenes, aber dennoch mutiges Korrektiv, das auch in Krisen gelassen bleibt und weiter das Ziel fest im Blick hat.

In diesem Sinne sollte auch der Künstler des Bullen, Arturo Di Monica, sich etwas beruhigen und über die neu gewonnene Aufmerksamkeit freuen. Ihm gefällt das Bronzemädchen nämlich ganz und gar nicht. Er sieht sie als Eindringling in seinen Raum, gegen den er gerichtlich vorgehen will. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio gab dazu die passende Antwort auf seinem Twitter-Kanal: “Men who don’t like women taking up space are exactly why we need the Fearless Girl,”.

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