Der Morgen – Zeit für mich

In den letzten Wochen habe ich mich am Vormittag zur Abwechslung mal nur um mich gekümmert. Ich habe die Zeit genutzt, um mich im Rahmen von Kursen besser auf den Bewerbungsprozess vorzubereiten, und ich habe viel Sport gemacht. Das letztere zeigt bereits seine Wirkung und das andere hoffentlich bald auch.

Als Studentin mit relativ viel Freizeit war ich zu meinen besten Zeiten jeden Tag rund zehn Kilometer joggen. Schon während der Schwangerschaft mit unserer Ältesten hatte ich meine Laufschuhe an den Nagel gehängt und auch sonst jede sportliche Betätigung gemieden – bis jetzt.

Sport machte auch irgendwie keinen Sinn. Es kostet sehr viel Zeit, die sowieso Mangelware ist. Die verbliebene Restkondition braucht man für das stundenlange Baby-Schunkeln in der Nacht – und wie der Körper unter vollgekotzten Schlabber-Shirts aussieht, ist einem dann auch egal.

Irgendwann kam dann aber doch der Punkt an dem ich meinen Körper wieder haben wollte. Die vergangenen sieben Jahre gehörte er nicht wirklich mir. Drei Kinder haben darin für je neun Monate ein vorübergehendes Zuhause gefunden. Anschließend haben sie mich rund ein Jahr lang ausgesaugt wie kleine Vampire und sind dabei zu Michelin-Männchen mutier, die diesen Körper auch gerne als ihren persönlichen Lastenesel betrachten, der sie selbst und den ganzen Nippes, der unbedingt mit muss, durch die halbe Stadt schleppt.

Das alles geht nicht spurlos an einem vorbei – die Berge an Schokolade, um das alles zu überstehen, leider auch nicht. Diesen Sommer hatte ich aber genug und habe beschlossen wieder zu alter Form zurückzufinden. Mir ist schon klar, dass ich nach drei Kindern nicht mehr den Körper einer 20-jährigen haben werde. Ich wollte aber zumindest wieder aussehen wie eine Frau, mit Taille und so. Und ich wollte mich in meinem Körper wieder zuhause fühlen. Die früheren Bewohner haben ihr eigenes Bett und schlafen inzwischen in der Regel auch durch.

Eines sonnigen Morgens habe ich meine Joggingschuhe wieder angezogen und bin raus an die Isar. Für den Anfang wollte ich eine kleine Runde laufen. Ich habe mich aber so gut dabei gefühlt, dass ich immer weiter gelaufen bin und gute acht Kilometer gemacht habe. Es hat nach so langer Zeit richtig gut getan. Trotz meiner nicht vorhandenen Kondition habe ich die Strecke in einer Stunde geschafft. Zwei Tage später wollte ich dieses Erfolgserlebnis wiederholen und bin zurück auf meine Strecke Isar aufwärts. Ich hätte mir vielleicht doch nicht so viel vornehmen sollen. Bis zum Flauchersteg ging es noch gut. Auf dem Rückweg bin ich gefühlt auf allen Vieren gekrochen. Ich habe es aber irgendwie nach Hause geschafft.

Anschließend habe ich über zwei Monate hinweg jeden zweiten Tag meinen inneren Schweinehund überwunden, um meine acht Kilometer zu machen. An den Tagen, an denen ich nicht gelaufen bin, habe ich meine Pilatesübungen gemacht. Mit diesem Trainingsprogramm habe ich es geschafft fünf Kilo abzunehmen und meine Taille wieder zurück zu gewinnen.

Das Entscheide ist aber, dass ich wieder viel beweglicher bin und mein Rücken nicht mehr so schmerzt. Ich kann wieder Dinge machen, die ich nicht mehr für möglich gehalten habe. Außerdem passe ich wieder in mein alten Klamotten. Auch Jeans trage ich wieder gern, sie zwicken nicht mehr überall.

Meine Ernährung habe ich in dieser Zeit nicht groß umgestellt. Ich habe auch vorher nicht wirklich ungesund gelebt. Ich habe lediglich versucht meinen Süßigkeitenkonsum etwas einzuschränken. Aber ohne Schokolade ist das Leben nicht wirklich lebenswert, und ich bin nur schwer zu ertragen. Auch aus Rücksicht gegenüber meinen Mitmenschen sollte ich auf meine täglichen Portionen Schokolade nicht verzichten. Nach einer Runde an der Isar kann das Stückchen dann auch mal etwas größer ausfallen.

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