Der rechte und der linke Dinosaurier

Leo liebt Dinosaurier. Woher diese Liebe zu den Urzeit-Tieren kommt, weiß ich nicht. Sie scheint aber irgendwie in der DNA von kleinen Jungs zu stecken.

In unserem Haushalt gab es eigentlich keine Berührungspunkte zu Dinosauriern. Bis mein Mann eines späten Nachmittags an einem kühlen Winterwochenende den Fernseher einschaltete und loszappte. Auf einem der hinteren Kanäle legte er eine Pause ein. Dort lief eine Doku über Urzeit-Tiere. Unser Sohn saß wie gefesselt vor der Flimmerkiste, verfolgte die animierten Filmchen und lauschte aufmerksam der Stimme aus dem Off. Seit diesem Tag ist er fasziniert von den Riesenechsen und erzählte jedem, dass die „Sauria augestorben“ sind.

Auf dem obersten Regalfach unseres Bücherschranks lag zu jener Zeit ein „Wieso? Weshalb? Warum?“-Buch über Dinosaurier. Das hatte meine Tochter irgendwann einmal als ein Geburtstagsgeschenk erhalten. Sie interessierte sich dafür aber rein gar nicht, so dass das Buch sehr lange weitgehend unbeachtet in der Ecke lag. Als Leo nun seine Leidenschaft für die Uhrzeitwesen entdeckt hatte, haben auch wir dieses Buch wieder rausgekramt. Er möchte es seither bei fast jeder Gelegenheit lesen.

Vom Osternhasen wünschte er sich schließlich einen Saurier – entsprechend groß war seine Begeisterung, als er in seinem Osterkörbchen einen kleinen “Saichania” (Tierchen im Bild oben) fand. Woher diese Leidenschaft kommt, ist mir ein Rätsel. Ich weiß nicht, was ihn an Dinosauriern so fasziniert. Er teilt diese Leidenschaft aber mit andern kleinen Jungs. Als die Horde Halbwüchsiger hier aus der Nachbarschaft noch im Kindergartenalter war, liefen die Jungs ständig mit den kleinen Plastiktierchen über den Hof, spielten damit und tauschten sie untereinander. Eine Erkenntnis: Je angsteinflößender so ein Dino aussieht, desto höher steht er auch auf der Beliebtheitsskala.

Leo eifert dem jetzt schon nach. Es liegt somit nahe, dass ihn der „Tyrannosaurus Rex“ besonders fasziniert. Wenn wir aus unserem Dino-Buch vorlesen, möchte er immer gleich zum „Saurus rechts – und links“ blättern. Anfangs habe ich nicht so recht verstanden, was er meint. Bis die große Schwester mir auf die Sprünge half. „Er meint den rechten und den linken Saurier.“

Der T-Rex ist für ihn der „rechte Saurus“. „Rex“ kennt er nicht – aber rechts. Und wo ein rechts, da auch ein links. Also suchen wir immer nach dem „rechten und linken Saurus“. Vor allem die Große lacht sich nun scheckig, wenn Leo mal wieder mit den Dinos anfängt. Inzwischen schaukeln sich die beiden gegenseitig hoch und verballhornen den König der Echsen fortlaufend zu einem „Tyrannosaurus links“.

Dank dieser erheiternden Einlage von Leo zeigt auch Emi ein gewisses Interesse an den Urzeitwesen. Doch scheinen Mädchen im allgemeinen mit Dinos nicht soviel anfangen zu können. Bei ihnen stehen Einhörner und andere Märchenwesen höher im Kurs. Mit diesen Plastiktierchen kann man die Freundinnen im Kindergarten schließlich viel mehr beeindrucken. Bis Leo in den Kindergarten kommt, wird noch einige Zeit vergehen – und sicherlich wird er bis dahin noch den einen oder andern linken bzw. rechten Saurus einsammeln, um seine Freunde damit am Spielzeugtag beeindrucken zu können.

 

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