Familie und Beruf unter einem Hut – ich kann es nicht mehr hören

Alle reden von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Diskussion dreht sich dabei fast immer um die Betreuung der Kinder und flexible Arbeitszeiten. Selten spricht man über die Chancen von Müttern auf dem Arbeitsmarkt. Eine kleine Bestandsaufnahme:

Eine tolle Stellenausschreibung. Eine, auf die ich eigentlich seit Jahren warte. Ein Job, wie ich ihn eigentlich gerne hätte. Ich starre das Telefon an und will mit einem Anruf den zukünftigen Chef davon überzeugen, dass ich die richtige Kandidatin bin. Keine Umwege über komplizierte Bewerberplattformen, bei denen man über den Algorithmus sowieso aussortiert wird. Ich habe die Telefonnummer, habe mich über den Chef informiert. Alle Bewerbungsunterlagen habe ich beisammen, nur einen Klick vom zukünftigen Chef entfernt. Dann sitze ich da und rufe nicht an.

Warum nur, warum tust du es nicht – frage ich mich. Deine Qualifikationen passen genau auf das Stellenprofil, du kennst das Unternehmen, seine Abläufe, seine Strukturen. Alles wäre perfekt. Aber ich will diesen Job gar nicht. Ich will ihn nicht, weil ich genau weiß, dass ich die Anforderungen an so eine Vollzeitstelle nicht erfüllen kann. Ich kenne diese Jobs und die damit verbundenen Arbeitszeiten – ich hatte sie, bevor meine Kinder zur Welt kamen. Arbeitstage mit 10 Stunden und mehr sind da keine Seltenheit. Pünktlich gehen, weil man etwa die Kinder aus der Kita abholen muss, ist vollkommen illusorisch.

Ich bin aber nun mal Mutter von zwei kleinen Kindern, die sich riesig auf Mama freuen, wenn ich sie am Nachmittag abhole. Die guten und anspruchsvollen Jobs sind jedoch nur in Vollzeit zu haben. In Teilzeit sind solche Tätigkeiten gar nicht machbar. Der Arbeitsaufwand ist zu groß, da reicht kaum eine 40 Stunden Woche aus.

Ich bin durchaus bereit mich in meinem Job zu engagieren und meine Arbeit sehr gut zu erledigen. Aber ich bin nicht bereit Vollzeit plus Überstunden zu arbeiten. Ich möchte meine Kinder nicht nur schlafend in ihren Betten sehen. Ich möchte mit ihnen Zeit verbringen, mit ihnen spielen, ihren Geschichten zuhören und Abenteuer mit wilden Tieren und glitzernden Ponnys erleben. Ich möchte da sein, wenn sie mich brauchen.

Arbeiten will ich, denn man muss ein bisschen rauskommen, andere Menschen treffen und sich austauschen. Zudem muss ich auch arbeiten, denn in einer Stadt wie München kann man die Lebenshaltungskosten nur schwer mit einem Gehalt decken.

Mit einem „tollen Job“ kann ich aber nicht alles unter einen Hut bringen. Das weiß ich – und deswegen habe ich nicht angerufen. Stattdessen werde ich mich weiter auf Stellen bewerben, die in Teilzeit ausgeschrieben sind – von denen es nur eine sehr überschaubare Zahl gibt, denn Teilzeitstellen sind meist einfache Assistenzjobs fernab meiner Qualifikationen. Also hoffe ich weiter, dass sich ein Arbeitgeber findet, der einen qualifizierten Job trotz aller potentiellen Ausfallzeiten an eine Mutter in Teilzeit vergibt.

Unternehmen mögen inzwischen flexibler sein, wenn sie ihre weiblichen Mitarbeiter nach der Elternzeit in Teilzeit weiter beschäftigen. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass man mit zwei kleinen Kindern im Lebenslauf kaum zu Gesprächen eingeladen wird. Es gibt genug andere Kandidaten, die ähnliche Qualifikationen vorweisen können, jedoch keinen „Risikofaktor Kind“ haben.

 

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