GoPro – die Aktie für abenteuerlustige Zeitgenossen

Mit einer GoPro-Action-Cam gelingen tolle Aufnahmen (siehe Video) – die Aktie hat gutes Potential.


Ich bin kein Aktion-Sportler und suche auch sonst nicht unbedingt den Nervenkitzel – umso mehr fasziniert mich die Aktie des ActionCam-Herstellers GoPro. Angesichts spürbarer Kursschwankungen sollte mal als Investor allerdings schon ein wenig Abenteuerlust mitbringen. Obwohl die Aktie in den vergangenen Wochen und Monaten viel mitgemacht hat, ist meine persönliche Prognose ungebrochen optimistisch.

Der Legende nach hatte Gründer Nick Woodman die Idee zur GoPro im Jahr 2003 – natürlich in einer Garage in Kalifornien. Seine Vision: Eine Kamera, die es Sportlern erlaubt, sich selbst und ihre Aktivitäten zu filmen und so den Nervenkitzel in schwindelerregender Höhe oder bei rasender Geschwindigkeit für Zuschauer erlebbar zu machen.

Dieses Konzept ist aufgegangen. Längst sind die kleinen grauen Kästchen, die einst ein Geheimtipp unter Surfern und Action-Bikern waren, im Mainstream angekommen.

Anteile an GoPro habe ich bereits kurz nach dem Börsengang des AktionCam-Herstellers erworben. Der Kurs bewegte sich auf niedrigem Niveau, doch der Hype um die kleine Kamera war groß, so dass es nur bergauf gehen konnte – was die Aktie dann auch tat. Nach guten Quartalszahlen und der Präsentation der neuen „Hero 4“ schoss die Aktie steil nach oben.

Rund um den Höchststand der Aktie im Herbst 2014 habe ich unsere Anteile wieder verkauft, da ich bei einem Kurs von über 70 Euro nur noch wenig Spielraum nach oben sah. Andere Investoren sahen das offensichtlich ähnlich, verkauften ihre Anteile – und die Achterbahnfahrt von GoPro begann. Nichtsdestotrotz bin ich im Januar – kurz vor Veröffentlichung der Quartalszahlen – wieder in größerem Umfang in GoPro eingestiegen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Erfolgsgeschichte des Unternehmens weitergehen wird und die Aktie sich auf höherem Niveau einpendeln wird. Aktuell (Stand: Mai 2015) schwankt das Papier zwischen 40 und 45 Euro. Meine Überlegungen und Beweggründe:

Der Zeitgeist: „Generation Selfie“

Der Begriff „Selfie“ hat es im vergangenen Jahr zwar „nur“ auf den vierten Platz der Jugendwörter des Jahres geschafft, aber Selbstbildnisse sind allgegenwärtig. Während unsereins ein Urlaubs-Selfie per Smartphone knipst, filmen sich abenteuerlustigere Zeitgenossen mit ihrer GoPro beim Surfen, Fallschirmspringen oder Mountainbiken und teilen das Erlebnis anschließend auf diversen Social-Media-Plattformen. Tendenz: steigend – in meinem Facebook-Stream beobachte ich immer mehr GoPro-Filmchen, die sich zu viralen Hits entwickeln.

Wachstumsmärkte außerhalb der Heimat

Nach dem unglaublich erfolgreichen Weihnachtsquartal meinten viele Analysten, dass das Wachstum von GoPro erschöpft sei. Für den amerikanischen Markt mag das in Teilen gelten, hier sind tatsächlich nicht mehr so hohe Zuwachsraten zu erwarten. Das liegt allerdings daran, dass viele Amerikaner bereits eine GoPro ihr Eigen nennen. So waren in den ersten drei Monaten 2015 die fünf meistverkauften Kameras/Camcorder in den USA GoPros (mehr Modelle bietet das kalifornische Unternehmen zur Zeit auch nicht an). Europa und Asien haben hingegen noch Nachholbedarf. Welches Potential hier noch drin steckt, zeigt der Quartalsbericht für Q1 2015. Über die Hälfte des Umsatzes erzielt GoPro demnach inzwischen außerhalb der USA. Interessant: In den letzten Monaten hat der Hersteller auch sehr viele neue Mitarbeiter für die Europazentrale in München gesucht. Die hohe Zahl an Stellenausschreibungen hat mich zum erneuten Kauf der Aktie bewegt. Wer so viele neue Mitarbeiter sucht, hat große Ziele.

Die neue Art des (Sport)fernsehens

Die ActionCams revolutionieren das Sportfernsehen. In den USA hat die NHL eine Kooperation mit GoPro geschlossen. Einige Spieler tragen – in der Testphase nur im Training – die Cam auf ihrem Helm. Mit solchen Bilder kann der Zuschauer live auf dem Eis dabei sein. Der Sportsender ESPN – ein Teil von Disney – greift auf diese Videos zurück und bringt sie auf den heimischen Fernseher. Zudem hat GoPro weitere Kooperationen mit ESPN auch für andere Sportarten geschlossen. Ich bin davon überzeugt, dass wir bald auch hierzulande immer mehr Profisportler sehen werden, die mit einer Kamera an der Brust, am Helm oder am Handgelenk neue Perspektiven liefern.

GoPro – künftig ein Medienunternehmen?!

Nick Woodman betrachtet GoPro nicht nur als Hersteller einer kleinen, cleveren Kamera. Er möchte aus GoPro einen Medienkonzern machen. Das geschieht gewiss nicht von heut auf morgen, aber GoPro ist bereits auf dem besten Weg dorthin. Der GoPro-Kanal auf YouTube ist der erfolgreichste seiner Art. Bereits jetzt verdienen die Kalifornier auch auf diesem Weg Geld. GoPro erweitert darüber hinaus sein Angebot mit eigenen Kanälen bei Streaming-Diensten für Settop-Boxen und Smart-TV.

Eine starke Marke

Last but not least: GoPro ist inzwischen eine sehr starke Marke mit einem globalen Marktanteil bei den ActionCams von 94 Prozent. Samsung, Sony & Co. haben sich zum Teil in diesem Segment versucht, allerdings ohne größeren Erfolg. Billigere Konkurrenz kommt inzwischen aus China – doch deren Qualität und Vielseitigkeit hinsichtlich Zubehör kann nicht wirklich mithalten. Ich glaube daher nicht, dass GoPro größere Marktanteile an sie verlieren wird. Zumal neuesten Gerüchten zufolge auch GoPro an einem kleinen, wohl auch günstigeren Modell arbeitet.

 

Mein Blick auf Ganze: GoPro ist in der YouTube-Community sehr präsent und wird es in den kommenden Jahren sicherlich auch bleiben. Die Wachstumsraten, die von Quartal zu Quartal neue Rekorde brechen, werden abflachen – aber die Verkaufszahlen werden sich nach meiner Einschätzung auch in Zukunft auf hohem Niveau bewegen, so lange die Welt dem Selfie-Wahn weiterhin verfallen ist.

Das größte Problem der Aktie ist ihre Volatilität. Bewegungen von zehn Prozent nach oben oder unten an nur einem Tag sind keine Seltenheit. Die Aktie ist ein Liebling von Spekulanten, die in kurzer Zeit viel Geld machen wollen und die entsprechend nervös auf die kleinsten Gerüchte reagieren. Ich hingegen glaube an einen langfristigen Erfolg und betrachte GoPro daher als eine entsprechend längerfristige Anlage. Definitiv ist dieses Papier allerdings keine Anlage für Menschen mit schwachen Nerven.

 

Die Entwicklung der GoPro-Aktie (in Euro; 1 Jahr)


GoPro-Chart bereitgestellt von finanzen.net

 

Disclaimer:

Meine Einschätzungen und Bewertungen von Unternehmen, deren Produkten sowie deren Zukunftsperspektiven sind subjektiv und gewiss nicht allumfassend. Wer meinen Empfehlungen folgt, tut dieses auf eigene Gefahr, ich übernehme keine Haftung.

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