Herr Weselsky, es reicht! Unsere Kinder wollen Züge fahren sehen

Vom Streik der Lokführer sind wir eigentlich nicht betroffen. Trotzdem durchquert der erneute Ausstand bei der Bahn unsere Freizeitgestaltung. Bei Regenwetter besuchen wir nämlich gerne den Bahnhof – und schauen uns fahrende (!) Züge an.

Wir fahren nicht mit der Bahn. Die Zeiten während des Studiums ohne Auto, haben mir das Bahnfahren abgewöhnt. Ich hatte eine Bahncard 50 und bin damit quer durch die Republik gefahren – wahlweise zu meinen Eltern oder zu den diversen Jobs, die mich als Presse- und Veranstaltungshostess an alle möglichen Orte verschlagen haben. Die in dieser Zeit gesammelten Erfahrungen mit der Bahn reichen völlig aus, um einen großen Bogen um dieses Verkehrsmittel zu machen.

Darüber hinaus finde ich Bahnfahren mit Kindern noch anstrengender als allein. Kinder sind laut, wollen spielen und im Zweifel rumlaufen. Andere Fahrgäste fühlen sich davon gestört. Und mit zwei Kinder an der Hand plus Buggy und Gepäck im Schlepptau ist das für einen allein ohnehin nicht zu schaffen. Da ist das Auto viel bequemer. Man kann alles mitnehmen, setzt die Kinder hinten rein und kann hinfahren wohin mal will. Wenn man möchte, macht man eine Pause, lässt die Kinder ein bisschen toben und weiter geht’s. Im Auto können die Kinder laut singen, spiele Spielen oder einfach in Ruhe schlafen.

Die Bahn übt auf meine Kinder dennoch ein besondere Faszination aus. Züge ziehen sie in ihren Bann – warum auch immer. Da meine beiden im Gegensatz zu uns derart große Zugfans sind, schauen wir uns die Züge einfach nur an, anstatt mit ihnen auch zu fahren. An manch verregnetem Tag, an dem man nicht draußen spielen kann, machen wir uns also umso vergnügter auf dem Weg zum Bahnhof.

Der Weg zum Bahnhof ist bereits Teil der „Faszination Zug“. Wir fahren bei schlechtem Wetter wahlweise mit der Tram oder der U-Bahn. Das findet vor allem Leo großartig. Am Bahnhof angekommen schauen wir auf die Anzeigentafel und suchen nach einem Zug, der in Kürze abfährt oder ankommt. Direkt am Gleis sitzt Leo dann äußerst konzentriert in seinem Kinderwagen und beobachtet das Geschehen aufmerksam. Emi steht derweil auf ihrem Brett und ist nicht minder fasziniert. Das Tolle in München: Der Hauptbahnhof ist ein Kopfbahnhof, deshalb kann man auch ohne viel Aufwand mit dem Kinderwagen von einem Gleis zum anderen wandern und alle Züge aus nächster Nähe anschauen.

Heute wäre wieder so ein Tag, den man mit den Kindern am Bahnhof verbringen könnte. Der Dauerregen hat sich über München häuslich eingerichtet und es ist so dunkel in der Wohnung, dass man selbst tagsüber das Licht anmachen muss. Den ganzen Tag im Haus zu verbringen, finden meine Kinder zudem ziemlich doof.

Der Bahnhofsbesuch fällt aber erstmal ins Wasser. Zu beobachten gäbe es nämlich nur Streik-Chaos und keine fahrende Züge – was meine Kinder nicht verstehen würden. Jetzt heißt es also ein anderes Ziel ausmachen. Oder vielleicht bauen wir einfach unsere Lego-Bahn auf und lassen die Züge durchs Wohnzimmer fahren. Solange die „Babbelien“ geladen sind, streiken unsere Züge nämlich nicht.

 

Kommentare