Kein (Muttertags-) Ausflug ohne Survival-Set

Ich liebe Überraschungsausflüge. Also eigentlich. Denn mit kleinen Kindern ist das so eine Sache. Meine Erfahrung: Ohne ausreichende Vorbereitungen verwandelt sich jeder Spontan-Trip in eine Horror-Reise. Wie schön, dass mein Mann den kurzfristig angesetzten Ausflug zum Muttertag am Abend zuvor doch noch verraten hat.

Sein Plan sah vor, mich gemeinsam mit den Kindern am Morgen zu wecken und mich mit einem Frühstück am Tegernsee – in dem Hotel, in dem wir vor sechs Jahren geheiratet haben – zu überraschen.

Klang toll – und er wusste, dass ich mich darüber sehr freuen würde. Und seien wir mal ehrlich: Frühstück im Bett mit zwei kleinen Kindern – das kann nicht gut gehen. Am Ende eines solchen Frühstücks muss Mama das Bett frisch beziehen und hat gleich noch eine Ladung Wäsche zu waschen. Die Vorstellung, dass mal ein anderer hinter meinen Kinder herräumt, fand ich umso schöner.

Aber zurück zum Frühstück am Tegernseer. Mein Mann hatte sich dazu entschlossen, mir seine Pläne schon am Abend zuvor zu erläutern. Eine weise Entscheidung, denn so ein Ausflug mit zwei Kinder im Schlepptau will geplant sein. Einfach so ins Auto steigen, ist – das wissen alle Mütter – sehr gewagt.

Wenn ich meinen Mann frage, was wir alles einpacken müssten, fällt ihm nicht sonderlich viel ein. Mama denkt in solchen Fällen an vieles. „Alles“ geht nicht, da man schlicht und einfach nicht alle Eventualitäten abdecken kann. Kinder kommen einfach auf zu viele Ideen, auf die man sich bei bestem Willen nicht vorbereiten kann.

Für solche und andere Anlässe habe ich stets mein Survival-Set parat:

Feuchttücher: Grundsätzlich das wichtigste Utensil in meiner Handtasche. Denn wo Dreck ist – egal welcher Art – da langt Kind rein. Und fürs Essen reicht die kleine Öffnung des Mundes nicht aus. Da muss schon das ganze Gesicht herhalten sowie die Hände, Klamotten und alles im Radius von rund einem Meter.

Lätzchen: Für das auswärtige Essen mit einem Zweijährigen zwingend nötig – sonst reicht die „Reisepackung“ Feuchttücher nicht aus. Alternativ helfen nur Wechselklamotten.

Windeln: Auch für Kinder, die stubenrein sind, von Vorteil. Denn Pipi muss Kind immer, und zwar „jetzt sofort“. In der Stadt gibts kein Gebüsch und öffentliche Toiletten sind mit Kindern zu meiden, denn sie müssen alles anfassen.

Kleinspielzeug für den Tisch: Sonst findet Kind Spielzeug auf dem Tisch, dass sich nicht zwingend zum Spielen eignet (Messer, Gabel etc.). Kleinspielzeug ist auch auf längeren Fahrten sehr zu empfehlen und beim Besuch von Freunden ohne Kinder.

Getränke: Auch bei Durst gilt für Kleinkinder „jetzt sofort“. Will man einen Lärmpegel in Größenordnung eines Presslufthammers vermeiden, hat man immer etwas griffbreit. Vor allem beim Autofahren sehr empfehlenswert.

Essen: Hier gilt das gleich wie bei den Getränken. Will man seine Ruhe, hat man etwas griffbreit. Sehr praktisch: eine Mischung aus Obst, Brezn und Gummibärchen (für größte Notfälle).

Für Mütter mag diese Zusammenstellung selbstverständlich sein. Aber fragt mal so manch anderen (insbesondere Väter), die den Kampf im Großstadtdschungel nicht tagtäglich mitmachen. Sie denken an vieles, aber längst nicht an alles.

Mein Mann hat diese Lektion gelernt – und deshalb auf das Überraschungsmomentum zum Muttertag verzichtet. Auch die Kinder freuten sich riesig – und standen um halb sieben an unserem Bett und riefen freudig „Aufstehen, wir fahren zum Tegenersee!“

Das Frühstück war toll. Nur mein Mann war nicht ganz so entspannt, weil Leo das Spiegelei auf seiner Hose verteilte und alle Servietten klein rupfte, während Emi durchs Restaurant rannte und auf der Freifläche tanzte. Ich sehe so etwas sehr locker. Leo war mit den Servietten und seinen Autos beschäftigt, so dass wir in Ruhe essen konnten, für die Hose hatte ich Feuchttücher und Emi hat niemanden gestört – alles im grünen Bereich.

Nach dem ausgiebigen Frühstück waren wir noch eine Runde im nahgelegenen Bad „schwimmen“ (oder was Kleinkinder dafür halten). Die Kinder hatten ihren Spaß und waren nach anderthalb Stunden platt. Im Auto sind sie sofort eingeschlafen. Daher beschlossen wir kurzfristig, noch ein Stück weiter in die Berge zu fahren und einen kleinen Abstecher nach Innsbruck zu machen. Genug Proviant hatten wir ja im Auto (siehe Liste oben), so konnten wir spontan unseren Ausflug ausdehnen.

Auf der Fahrt durch die Berge in Richtung Österreich hatten wir ein wenig Ruhe, da die Kinder schliefen. So konnten wir die Landschaft im Vorbeifahren genießen. Nach einem kleinen Stadtbummel durch die Innsbrucker Innenstadt (sehr sehenswert) und einem leckeren Eis haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht. Auf der Rückfahrt gab es für die Kinder jede Menge zu entdecken. Sie spielten „Wer sieht zuerst einen Traktor“ oder „Tiere finden“ auf den Weiden. Auch die Berge zogen sie in ihren Bann. Für Leo eine wesentliche Frage: „Wohnt dort Heidi?“

 

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