Sonntags um sechs ist die Welt nicht in Ordnung

In einem früheren Leben ohne Kinder war der Sonntag ein sehr entspannter Tag. Ausschlafen, ausgiebig frühstücken, Zeitung lesen und anschließend gern noch ein kleines Nickerchen machen. Herrlich. Doch jetzt mit Kindern? Aus und vorbei.

Mit unseren Kindern beginnt der Sonntag in der Regel um 6 Uhr morgens – und von Entspannung kann keine Rede sein. Dabei kümmert es unsere Kinder nicht im Geringsten, ob Montag, Mittwoch oder Sonntag ist, jeder Tag beginnt zwischen sechs und sieben Uhr. Besonders schlaue Experten raten in solchen Fällen, die Kinder an den Samstagen doch einfach etwas später ins Bett zu schicken – in der Hoffnung, dass sie dann morgens länger schlafen. Bringt aber nichts, haben wir mehrfach versucht. Je später sie ins Bett gehen, desto früher stehen sie im Zweifel auf.

Also sind die Sonntage, wie sie sind. Und das heißt, dass der freie Tag gestaltet werden muss. Und das bereits morgens ab halb sechs, wenn man es beim Milchaufwärmen kaum schafft, seine Augen auch nur ansatzweise offen zu halten. Großer Dank gebührt daher an dieser Stelle den Vertretern von KiKa, Disney Channel und Junior, die erkannt haben, dass der Sonntagmorgen Primetime ist. Ja ja, stimmt schon: Fernsehen für Kinder ist nicht gut, pädagogisch zweifelhaft und überhaupt ganz schlimm. Aber Heidi, Biene Maja und Micky können Leben retten. Menschen mit Kindern wissen, was ich meine.

Aber lassen wir die Debatte über das Für und Wider von Fernsehen für die Jüngsten. Spätestens nach einer Sendung steht die Brut ohnehin in der Tür und verlangt nach einer alternativen Form der Bespaßung. Und die habe ich nun gefunden: Backen ist die Lösung.

Das Perfekte: Backen ist wie ein Überraschungsei – es bietet Spannung (was packen wir rein, was kommt dabei raus?), Spiel (Mehl durch die Gegend schmeißen, in Teig manschen) – und Schokolade (besonders wichtig). Wobei ich manchmal denke, dass meine beiden fast mehr Spaß am Backen als denn am Verspeisen haben.

Die größte Freude bereitet Emi und Leo, die Zutaten in die Schüssel zu schütten. Okay, das mit der Treffsicherheit haben sie noch nicht so raus und das meiste geht daneben – doch das ist ein Kollateralschaden, den ich in Kauf nehme. Am liebsten stürzen sie sich auf den Zucker und futtern diesen schneller weg, als ich schauen kann. Gebäck ohne Schokolade essen sie aus Prinzip nicht, und so gibts die Schokolade auch gern schon mal zum Frühstück. Wenn der Kuchen dann endlich im Ofen steht und die Kinder wieder halbwegs sauber sind, kann ich mich dem widmen, was ich laut Aussage meiner Tochter am besten kann: Aufräumen.

Also krieche ich sonntags nach Ende jeder Küchenschlacht über den Boden und spiele Heinzelmännchen. Aber sei’s drum: Wir drei haben unseren Spaß, und das sonntägliche Backen ist inzwischen geradezu ein kleines Ritual.

IMG_1995Unser neuester Clou: Seit einigen Wochen  backen wir auch Brötchen (oder Semmeln –  wie wir hier im Süden zu sagen pflegen). Und das ist leichter als man denkt: Einfach Hefe in lauwarmem Wasser auflösen, Mehl, Öl und Salz dazugeben, alles gut verkneten und erstmal gehen lassen. Dann die kleinen Leiber formen, noch einmal kurz gehen lassen und rund 20 Minuten backen – fertig sind wunderbar knusprige Sonntagsbrötchen. Die Kinder kann man auch gern mal eine Stunde an einem Klümpchen Hefeteig kneten lassen, meinen beiden macht das riesigen Spaß.

Mein Tipp: Einfach mal ausprobieren. Der Nachwuchs (und häufig auch der Rest der Familie) wird verzückt sein – besser als die aufgebackenen Dinger vom Bäcker schmecken die eigenen Brötchen allemal.

 

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