Wenn man mit Kindern eine Reise tut, …

In Bayern sind gerade Pfingstferien und das gesamte Bundesland scheint ausgeflogen zu sein. Fast wie manch anderenorts in den Sommerferien. Bei Ärzten erreicht man nur den Anrufbeantworter, an kleinen Läden hängen Schilder mit dem Hinweis, dass man in zwei Wochen wieder zurück sei und in unserem Viertel, in dem man sonst schon mal zwei Stunden nach einem Parkplatz suchst, sind die Straßen wie leergefegt. Und auch wir überlassen München in diesen Tagen den Touristen.

Mit Kinder ist verreisen jedoch immer ein Kraftakt. Das fängt schon beim Packen an. Die Zwerge sind zwar nur halb so groß wie Erwachsene, aber ihr Berg an Klamotten ist immens – auf jeden Fall bei uns. Das Dilemma: Unsereins kann eine Hose am nächsten Tag durchaus nochmal anziehen – bei meinen Kinder bin ich schon froh, wenn ich sie im Lauf des Tages nicht noch einmal komplett umziehen muss.

Ein Glas Wasser landet nur selten im Mund, sondern allzu gern auf der Hose. Das T-Shirt möchte auch mal den Jogurt probieren. Und wenn sich irgendwo eine Matschpfütze versteckt, finden sie meine Kinder garantiert und können natürlich nicht einfach daran vorbeigehen. Also gilt es, in Urlaubszeiten ausreichend Klamotten einzupacken, damit man die Kinder jeden Tag sauber anziehen kann. Plus Reserve für die Tage, an denen man die Kinder zweimal sauber anziehen muss.

Was in den Koffer gelangt, bestimme ich allein. Denn wenn ich zum Beispiel meiner Tochter die Auswahl der Klamotten überlassen würde, wäre der Koffer voller Kleider, die bestenfalls für den Hochsommer taugen, ergänzt von den Faschingskostümen als Hexe und Prinzessin, die sie am liebsten jeden Tag anziehen würde. Also heißt es beharrlich zu sein und darauf zu achten, dass neben einigen Lieblingsstücken natürlich auch Sachen im Koffer landen, die die Wetteraussichten berücksichtigen.

Das eigentliche Drama beginnt jedoch erst anschließend – beim Packen der Spielsachen. Wenn wir länger unterwegs sind, wollen meine Kinder eigentlich auf kaum eines ihrer vielen Kuscheltiere, Autos und sonstigen Figuren verzichten. Zum Glück haben wir dafür inzwischen eine Lösung gefunden: Jeder der beiden besitzt nun einen kleinen Rollkoffer und darf so viel mitnehmen, wie in den Koffer passt. Alles, was keinen Platz im Koffer findet, muss daheim bleiben. Mein Glück: Sie überlegen nun viel intensiver, worauf sie tatsächlich nicht verzichten können. Ihr Glück: Der Koffer hat außen noch eine kleine Tasche, in der das liebste Kuscheltier Platz findet.

Leo braucht Wuwu, Löwe und Baby, ohne die er zur Zeit nicht einschlafen kann. Der Platz, der dann noch im Koffer bleibt, wird mit Autos gefüllt. Emi füllt den Platz neben ihren Kuscheltieren mit Fillys. Für alle, die keine Tochter im Kindergartenalter haben: Fillys sind kleine bunte Plastikpferde mit Flügeln oder einem Horn, die mit einer Krone und Glitzer-Kristallen verziert sind. Ob sie „schön“ oder gar „pädagogisch wertvoll“ sind, sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Fest steht: In unseren vier Wänden wohnen nicht nur einige Figuren, vielmehr haben sich komplette Familien-Clans dieser Phantasiepferde bei uns eingenistet. Aber das ist ein anderes Thema.

Jedes der Kinder bekommt den Koffer im Auto neben den Kindersitz gestellt. Auf der Fahrt haben sie so ihre Spielsachen stets griffbereit und sind eine Weile beschäftigt. Gut – wenn man ankommt muss man erstmal jede Ritze im Auto nach den kleinen Fillys und Autos absuchen. Auf der Fahrt selbst herrscht dafür allerdings für einige Zeit relative Ruhe. Es braucht eine Weile, bis alles aus dem Koffer ausgeräumt und im Auto verstreut ist. Dann beginnen die Fragen: „Wie lange dauert es noch? Wann sind wir da?“ Mit Obst, Keksen und Gummibärchen lassen sich in Regel auch noch die verbleibenden Kilometer ohne größeres Gequengel überbrücken.

 

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