Wenn Schlafengehen zur Geduldsprobe wird

Schlafen ist für viele Eltern ein leidiges Thema. Kaum ein Kind mag ins Bett gehen, wenn die Eltern verkünden, dass es nun Zeit sei, sich ins Reich der Träume zu verabschieden. In den Sommermonaten, wenn die Sonne auch am späteren Abend noch scheint, gilt das ganz besonders.

Meine Kinder weigern sich eigentlich generell ins Bett zu gehen. Erschwerend kommt in diesen Tagen die Hitze dazu. Wer kann bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Grenze schon schlafen? Wir haben damit so unsere Schwierigkeiten, und die Kinder erst recht. Und so haben wir es nach vielen erfolglosen Versuchen aufgegeben, die Kinder pünktlich um acht Uhr ins Bett zu bugsieren.

Wir machen es jetzt, wie man es aus eher südlicheren Gefilden kennt: Wir haben unseren Tagesablauf nach hinten verschoben. Den Mittag verbringen wir bei großer Hitze im Haus und gehen erst am späten Nachmittag nach draußen – bleiben dafür allerdings länger an der frischen Luft. Abendessen gibt’s dann ein bis zwei Stunden später als an anderen Tagen. Der Hunger zwischendurch wird mit einem Eis gestillt. Aufbruch in Richtung Bett ist erst nach neun Uhr – eine Uhrzeit, zu der die Kinder sonst schon längst im Reich der Träume weilen. Geschlafen wird ab halb zehn.

Der Vorteil dieser Lösung sind entspannte Kinder – und inzwischen auch entspanntere Eltern. Denn mein Nervenkostüm hat sehr gelitten, als ich verzweifelt versuchte, die acht Uhr Bettgehzeit durchzusetzen. Den Kürzeren habe grundsätzlich ich gezogen. Die Kinder waren zwar um acht im Bett, geschlafen haben sie trotzdem nicht vor halb zehn.

Der Nachteil dieser Lösung ist jedoch ein Mangel an „Freizeit“. Die Kinder gehen so spät ins Bett, dass „unser“ Abend sehr kurz geworden ist. Die Zeit, in der wir einfach mal in Ruhe zusammen auf dem Sofa sitzen oder uns ungestört unterhalten können, ist auf ein sehr überschaubares Maß geschrumpft. Es fehlen auch die produktiven Abendstunden, in denen man allerlei Sachen erledigen kann – wie Aufräumen, Bügeln, Papierkram oder auch einfach mal eine Sendung im Fernsehen schauen.

Die Tage werden nun aber wieder kürzer und das Wetter normalisiert sich auch ein wenig. Ich hoffe darauf, dass es mir irgendwie gelingt, die beiden wieder früher ins Bett zu stecken. Spätestens, wenn die Ferien vorüber sind und ich beide morgens pünktlich aus dem Bett schmeißen muss, wird die Müdigkeit hoffentlich wieder zu gewohnter Stunde über sie einbrechen.

Bis dahin genießen wir weiterhin den Sommer: Mit Ausflügen an den Tegernsee bis in die Abendstunden hinein. Mit Biergartenbesuchen, bei denen wir erst heimziehen, wenn die Lampions eingeschaltet werden und unsere Kinder zu den letzten auf dem Spielplatz gehören. Oder wie kürzlich abends auf unserem kleinen Balkonsofa, als wir die Perseiden beobachteten. Mit unseren Köpfen auf der Lehne schauten wir zum Himmel und versuchten, im Lichtsmog der Großstadt die eine oder andere Sternschnuppen zu entdecken.

 

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